
Das Land Hessen investiert zurzeit vier bis fünf Millionen Euro in die Neugestaltung der Georg-Büchner-Anlage. Die Pläne für den Platz stammen von dem Stuttgarter Architekten Arno Lederer, der schon für die rund 70 Millionen Euro teure Sanierung des Staatstheaters verantwortlich zeichnete.




Donnerstag, 28. Mai 2009 - 23:28
Der Mauerbau von Darmstadt
Bei einem Besuch in meiner Heimatstadt Darmstadt fragte ich mich, mit welchem Gewissen man an der oberen Hügelstraße eine solche Beton-Hermetisierung verantworten kann. In Wahrheit wird hier eine soziokulturelle Grenze errichtet, welche die Kultur auf der einen Seite abschotten und zugleich die Bevölkerung auf der andern ausliefern soll. Hier Lärm und Emissionen, welche seit langem weit über dem zulässigen Maß liegen, dort Ruhe und kulturelle Entspannung bei einigen verlorenen Cocktail-Bäumchen auf Beton. Die Mauer ist ein Offenbarungseid der Stadt Darmstadt zur völlig verfehlten Verkehrspolitik: Man verdeckt die Tatsache, dass sich Lastzüge wie Lawinen durch die Stadt zwängen. Da „mauert“ OB Walter Hoffmann lieber und lässt die wirklich notwendigen Maßnahmen einfach schleifen. Wenn die Hessische Landesregierung die Geldbörse auftut, um die Georg-Büchner-Anlage zu „verschönern“, dann hält man in Darmstadt brav den Mund und hofft, dass die Anwohner nichts von der Salamitaktik des voranschleichenden Mauerbaus merken. Bei einem Walter Ulbricht klang das 1961 so: “Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!” Der Beton wird immer zuerst im Kopf gemischt!
Dienstag, 2. Juni 2009 - 14:12
Betr.: Keine Berliner Mauer in Darmstadt!
Eben aus Berlin zurückgekommen reibe ich mir die Augen. Noch voller frischer Eindrücke von der Mauerparkinitiative im ehemaligen Sperrgebiet an der Schwedter Straße. - „Neues Leben wächst aus den Ruinen…“ Dieses Schillerzitat war sichtbar bestätigt in den wachen und engagierten Bürgerinitiativen, die sich phantasievoll wehren, wenn über die legitimen Bedürfnisse und Interessen der Anwohner eigenmächtig hinwegentschieden wird. Ob man damit wohl in D-ARMSTADT nicht zu rechnen braucht, die Bürger außer den unmittelbar Betroffenen alles willig hinnehmen, wie sie schon den Tunnelbau, dürftig informiert durch ein Informationsbüro in der Wilhelminenstraße geduldet haben, ohne die starke Umweltbelastung und die städtebauliche Konsequenz der Teilung einer eben wieder aufgebauten Stadt in zwei Teile zu bedenken, und die Überbrückung und Unterführungen, die beide nicht funktionieren, als ungeeignet zu erkennen?
Zwar war die so ausgewiesene Sanierungsmaßnahme des Garagendachs als Modell in der Beletage des Theaters wochenlang zu besichtigen, und der eine oder andere interessierte Bürger hat gewisse Ähnlichkeiten mit der Stalinallee in Berlin, geschmückt durch ein paar einsame dekorative Bäume, preußisch korrekt als Allee aufgestellt, feststellen können.
Um die bessere Anbindung des Theaters für Fußgänger zu erreichen, hätte man zunächst einmal die HEAG ermuntern sollen, die Haltestellen des öffentlichen Verkehrs näher an die Eingänge des Staatstheaters zu verlegen. Freilich wäre das nicht so repräsentativ gewesen. Doch angesichts der verheerenden finanziellen Situation der Stadt wären 11 Mio. besser für die Sanierung der seit Jahrzehnten maroden Strassen mit ihrem lieblos gepflegten Straßenbegleitgrün verwendet worden.
Hören die Planer und Entscheider der Stadt denn gar nicht auf die Vorschläge ihrer Bürger/innen, vertreten durch die Agenda 21-Vordenker?
Die Anhörung von Bau- und Kulturausschuss im Juni 2008 verlief denn auch so, daß zum Abschluss der Vorstellung durch den Architekten die Frage nach dem Kinderspielplatz und eines geeigneten Treffpunkts für Jugendliche und die Ruhebänke für pflastermüde Einkaufende eher lästig empfunden wurden.
Etwas Wesentliches scheint den Bürgern hier nicht klar geworden zu sein: Die von Menschen und Tieren gleichermaßen genutzte Grünanlage wird brutal zu einem Platz degradiert. Georg Büchner hätte in Abwandlung seines Aufrufs „Friede den Hütten – Kampf den Palästen“ wahrscheinlich „Friede den grünen Oasen und Kampf den steinernen Betonwüsten“ gesagt. Drei Mollerbauten blicken stumm auf dem ganzen Platz herum!
Ruth Ruhemann
Hügelstr. 43
64283 Darmstadt
Sonntag, 7. Juni 2009 - 16:16
Hallo,
hierzu will ich auch meinen Kommentar abgeben.
Als Betroffene (meinem Sohn gehört das Haus Hügelstraße 43) bin ich noch immer entsetzt über die Ignoranz des Planungsbüros Prof. Lederer, der Herren und Damen des Hessischen Baumanagements und der Bauverwaltung der Stadt Darmstadt. Ich glaube, daß die verantwortlichen Herren und Damen sich noch nie auf die Hügelstraße am Tunneleingang Richtung Osten gestellt haben, um sich über das Ausmaß ihrer irrwitzigen Planung ein Bild zu machen. Es ist die Abgrenzug des Theaterviertels zum Rest der im Norden von Darmstadt wohnenden Bürgerinnen und Bürger. Abgrenzungen müssen keine Betonmauer sein, diese
Wände können mit Pflanzwannen ausgestattet sein, es können gut gestaltete Zäune sein usw. Die Kamine hätten von Anfang an nicht längs zur Hügelstraße stehen müssen sondern hätten auch quer in die Tiefgarage geplant werden können. Ich glaube nicht, daß die Beteiligten von ihrem Balkon aus in 24 qm große schwarze, lärmende, stinkende Löcher sehen wollten. Den schon seit langer Zeit aber da wohnenden Menschen mutet man es zu. Es ist und bleibt eine Unverfrorenheit, deren Realisierung wir weiter bekämpfen.
Doris Kappler
Herdweg 46
64285 Darmstadt
Sonntag, 7. Juni 2009 - 19:26
Hallo,
ich zitiere zuerst mal die Darmstädter Pressestelle:
“Für die Georg-Büchner-Anlage bedeutet die Umgestaltung eine völlige Abkehr von der einst sehr kleinteilig gestalteten bürgernahen Wohnumfeldgrünfläche hin zu einer repräsentativen Platzanlage, die sich gut in das städtebauliche Gefüge einschmiegt. Der Platz soll nach den Plänen von Prof. Lederer deutlich offener und somit transparenter werden. Angsträume sollen verschwinden, indem der Platz geometrisch klar gegliedert und von Sträuchern befreit wird.”
Bin ich im falschen Film?! Wovon wird da bitte geredet? Oder besser…wie verquer muss man sein, das man aus einer Grünanlage mit der Betonung auf GRÜN, eine platte Betonfläche macht und zu allem übel auch noch versucht, das positiv gewollt darzustellen?!
Das scheinbar gewollte Endergebnis wird genauso bescheiden aussehen, wie der hintere Eingang des Hauptbahnhofes, der mit seiner transparenten Betonansicht und seinen gewollt unattraktiven zugigen Sitzgelegenheiten zu einem Schandfleck der Stadt gemacht hat.
Und Angstträume? Wer bitte hatte Angstträume in den Grünanlagen vor dem Staatstheater vor der Verschandelung?!
Anstatt es ergrünen zu lassen und ein Gelände zu einem tollen Treffpunkt für Jung und Alt werden zu lassen, kippt man für viel Geld Beton drauf und nennt das Aufwertung. Haben die zuständigen Planer Prozente bekommen bei einem Betonunternehmen?! Gabs das billiger bei Abnahme einer gewissen Riesenmenge, die vielleicht noch für die Verschandelung weiterer Orte reicht?
Solche Planungen wie diese gehören gelinde gesagt in die Mülltonne und hier wäre wieder ein typisches Beispiel eines Bürgerentscheides. Denn mal ehrlich Leute, ich glaube so gut wie kein Bürger der Wissenschaftsstadt Darmstadt möchte, das Darmstadt zu einer Betonwüste verkommt. Allerdings sind wir auf dem besten Wege dahin. Irgendjemand scheint etwas missverstanden zu haben. Nämlich das Fortschritt und Wissenschaft nicht gleichbedeutend ist mit Betonlandschaft und dem Fehlen von bürgernahen Naturoasen.
Ich als langjährige Bürgerin und Bewohnerin von Darmstadt fühle mich von solchen Verschandelungen nicht repräsentiert. Im Gegenteil, ich fühle mich drangsaliert und mein Gefühl für die Schönheit der Natur und den Einklang zwischen Natur und menschlichem Wohn- und Arbeitsraum wird geradezu beleidigt. So, wie es scheinbar geplant ist, führt es einzig zu einer weiteren Verödung. Warum ich das denke?
Da verweise ich einfach auf den schon erwähnten Platz an der Westseite des Hauptbahnhofes. Fahren oder gehen Sie da mal hin. Schauen sie sich den Platz an. Wer verweilt dort? Wer sitzt dort an der zugigen, nicht bepflanzten Betonfläche, die uns Steuerzahler auch Unsummen gekostet haben muss?!
Dort kann man nur sagen…”Es hätte so schön werden können, denn Platz ist genug da”. Und was ist das Ganze jetzt? Ein Jammertal, einfach nur ein Jammertal.
Quellenangabe: Pressestelle Wissenschaftsstadt Darmstadt, 30. Oktober 2008
Dienstag, 9. Juni 2009 - 22:08
Habe früher viele Jahre in der Kattreinstraße gewohnt und bin oft zu Fuß an der Gg.-Büchner-Anlage vorbeigekommen. Von diesem Neubau bin ich total entsetzt.
Sonntag, 11. Oktober 2009 - 13:48
Auf gute Nachbarschaft!
Wer wünscht es sich nicht, ein gutes Verhältnis zu seinen Nachbarn?
Wir wohnen in der direkten Nachbarschaft vom Staatstheater. Als gute Nachbarn stellen wir unsere gelben Säcke erst am Abend vor der Abholung auf die Straße, dass die Besucher des Theaters eine schöne Umgebung erleben.
Als gute Nachbarn ertragen wir die schlimme Parkplatzsituation in der Riedeselstraße, wenn dort Theaterbesucher auf den Pendelbus verzichten und Kostenlos parken wollen.
Als gute Nachbarn leben wir mit dem Baulärm, der sich mittlerweile bis in die Nacht zieht, damit die Umbaumaßnahmen bis Ende November abgeschlossen sind.
Ich könnte so weiter machen, aber nun mal zu unserem Nachbarn. Wir wurden zu keiner Zeit persönlich über bauliche Maßnahmen informiert. Abgesehen davon, dass man das ein oder andere aus der Presse erfuhr.
Aktuell wird bis spät in die Nacht gearbeitet, aber wir Nachbarn sollen doch bitte Verständnis mitbringen.
Es ist so einfach, gute Kontakte zu pflegen, wenn man es nur will, aber das ist offensichtlich nicht im Sinne der kulturellen Selbstdarstellung des Staatstheaters und im Speziellen des Architekten, der die Georg-Büchner-Anlage zu einer Scheußlichkeit aus Beton verwandelt, nur um sein bereits vollendetes Werk, das Staatstheater, im Sinne der Kultur von der Natur zu trennen!
Ehrlich gesagt, war die alte Anlage nicht mehr schön, aber es hätte nur einen Bruchteil gekostet, die Bepflanzung zu pflegen, teilweise neu anzulegen. Dabei wäre noch genug übrig geblieben, um einen wunderschönen neuen Spielplatz zu bauen.
Man hätte sich lieber einen modernen Architekten nehmen sollen, der weiß, dass moderne Architektur die Natur mit einbezieht. Einen Architekten, der sich die Nachbarschaft angeschaut hätte, und erkannte, dass die Umgebung wunderschön grün ist.
Aber wie es ja hier schon beschrieben wurde, das Staatstheater grenzt sich ab, legt kein wert auf seine Umgebung.
Vor dem Umbau habe ich gern die Abkürzung über die G.-B.-Anlage genommen, in Zukunft werde ich wohl den Umweg durch den kleinen Park Wilhelminen Platz nehmen.
MfG Sven Bauer
Riedeselstraße 23
64283 Darmstadt
Mittwoch, 21. Oktober 2009 - 12:07
Vollendet ist das große Werk! Mit diesem Zitat aus Haydns “Schöpfung” möchte ich gerne einen weiteren Kommentar auf dieser Seite abgeben. Während die Künster das göttliche Schöpfungs-Tun auch kunstvoll und respektvoll auszudrücken suchten und in musikalischen Hochgenuss gossen, wird im Blick auf das Staatstheater in Darmstadt und seinen “repäsentativen” Vorplatz nur Beton in Form gebracht um die Größe der menschlichen Einfallslosigkeit und Respektlosigkeit zu demonstrieren. In der griechischen Mythologie sprach man hier eher von “Hybris”. Also einer maßlosen Selbstüberschätzung und arroganter Zügellosigkeit, die einen entsprechenden Absturz nach sich bringt. Im Deutschen sagen wir: Hochmut kommt vor dem Fall. Was die Stadt Darmstadt in trauter Einigkeit mit dem ausführenden “Beton-Professor” Lederer und dem willfährigen Staatstheater an Halbwahrheiten und besänftigenden Absichtserklärungen abgegeben hat, entlarvt noch mehr die Unverfrorenheit, mit der hier vorgegangen wird. Das Entsetzen der Mauer offenbart sich ja jetzt, da das barmherzige Baugerüst weggenommen wurde, noch mehr. Denk- und Redeverbote von Seiten der Verantwortlichen in Richtung des Begriffs der “Berliner Mauer” wirken einfach nur Lächerlich und zeigen noch deutlicher die Hilflosigkeit angesichts der Tatsasche, dass es sich hier um ein Bauwerk handelt, auf das Erich Honecker stolz gewesen wäre. Darmstadt ist um eine Attraktion reicher! Vielleicht gibt es demnächst auch spektakuläre “Fluchtversuche”. Riedeselstraße und Hügelstraße werden an Attraktivität verlieren und veröden. Vielleicht kann die Stadt Darmstadt dann auch gleich eine passende Namensänderung vorlegen. Wie wäre es mit: “Beton-Allee” oder mit dem Namen “Am antikulturellen Schutzwall”. Warten wirs ab!
Samstag, 24. Oktober 2009 - 15:22
Da ich zu meiner Meinung stehe und nicht anonym bleiben möchte, hier auch meine Adresse. Ich bin gebürtiger Darmstädter und komme immer gerne nach Hause zurück. Meine Eltern wohnen in der Hügelstraße 47. Ich kann mir also aus erster Hand ein Bild über die katastrophale Situation nach dem Mauerbau machen.
Clemens Matthias Wunderle
Gerhart-Hauptmann-Str. 4
35321 Laubach